Sie begeben sich auf die Flucht an einen Ort, an dem sie sicher sind. Immer wieder geraten sie in lebensbedrohliche, aussichtslose Situationen. Sie erfahren Durst, Hunger, Kälte, Erschöpfung, Mutlosigkeit, aber auch Augenblicke von Euphorie und Hoffnung. Ihr Wille, nicht zu sterben, setzt in Haifa ungeahnte Kräfte frei.

Occident Express vermittelt auf eindringliche, aber unsentimentale Weise, was die Flucht über die Balkanroute bedeuten kann. Zugleich erzählt das Stück mit archaischer Wucht vom Kampf um Leben und Selbstachtung.

Das sagt die Jury:
„Ein großartiger Beitrag zum verständnisvolleren Umgang mit geflüchteten Menschen.“
„Eine erschütternde Geschichte einer Frau auf der Flucht vor dem Krieg. Die Geschichte hat mich sehr berührt. Unbedingt sehenswert.“

Dauer: 90 Minuten, anschließend Eröffnungsparty mit der Ottencrew im Foyer des Kammertheaters
Karten: 10 / 7 €

Die Kunstformen Breakdance, Graffiti und Lyrik treffen im Bühnenraum aufeinander, um Räume, Kunstgattungen und Theaterverabredungen zu sprengen.

Für die drei Breakdancer, den Graffiti-Künstler und Schauspieler Cédric Pintarelli und zwei Kollegen wird der Raum bald sehr eng, auch wenn sie Flächen und Farben Teilen, Respekt vor den anderen Kunstformen haben und gerne fremde Impulse aufnehmen. In der Battle steht das gesprochene Wort gegen den präzisen Move, fliegt der Pinselstrich im Einklang mit der Musik.
Die außergewöhnliche Theaterbegegnung inszenierte der Choreograf Erik Kaiel, der seit vielen Jahren mit Tanz in U-Bahnstationen, Gärten, leeren Schwimmbecken, auf Gebäuden und gelegentlich auch auf Bühnen der ganzen Welt zu Hause ist.

Das sagt die Jury:
„Ein unterhaltsames Theaterstück über die zeitgenössische Jugendmusik und -bewegung als verbindendes Element zwischen Kulturen.“

Dauer: 80 Minuten
Karten: 10 / 7 €

Polly und Laela wohnen zusammen und sind meistens beste Freundinnen. Sie begegnen sich morgens nach einer durchfeierten Nacht und teilen Geschichten über die Flirts des vergangenen Abends: der entwicklungshelfende „Brunnen-Buddler”, der „Boris Becker”, der „Horst-Peter“ und die „Olle auf‘m Klo, die auch mal gerne Schwarz wäre“. Sie überwinden ihren Kater, trotzen jedem Klischee. Und drohen doch, an ihren eigenen Idealen zu scheitern.

Als Zuschauer*in wird man zu*r Freund*in der Protagonistinnen und erfährt im intimen Setting Privates über zwei Frauen, die selbstbewusst und voller Witz oft eigentlich Schreckliches erzählen.

Jung, giftig und Schwarz blickt mit einem zwinkernden Auge auf den ganz normalen Irrsinn des Schwarzen deutschen Alltags. Ein Stück mit beißendem Humor.

Das sagt die Jury:
„Schwarzer Feministinnen-Blick auf den Alltagsrassismus in der Hauptstadt Berlin mit gaaaanz viel Humor! (…) Sehr lustig gemacht. Stark gespielt.“

Dauer: 60 Minuten, anschließend Gespräche und Getränke in der Rakete
Karten: 10 / 7 €

Sicherheit, das ist das, was er verloren hat. Neben seinem Vater, seiner Mutter, seinen beiden Brüdern, seinem Haus, seinem Hund, seinem Lieblings-T-Shirt, vor allem aber: seiner Zukunft. Seiner Vergangenheit. Und irgendwie auch seinem Jetzt. Hier aber, in diesem Land, da ist die Sicherheit zuhause. Doch in Azmis Klasse ist Enno, der sein Land beschützt vor solchen wie Azmi, die gekommen sind, um zu nehmen, was ihnen weder gehört noch zusteht. Überfremdung. Dieses Wort hat Azmi von Enno gelernt. Ebenso wie Volksfeind. Schmarotzer. Ausländerschwein. Enno beschützt seine Heimat vor dem Fremden. Azmi würde sich dagegen wehren, wäre er nicht so müde. Und als Azmi spätabends die Turnhalle verlässt, stellt er fest: Das war keine gute Idee.

Das sagt die Jury:
„Ein wunderbares Solostück über die Bedeutung von Sicherheit, Fremdsein und Heimat in Deutschlands Klassenzimmern.“

Dauer: 60 Minuten
Karten: 10 / 7 €

In Bildern und ohne viel gesprochenes Bekenntnis gestehen sich in Allah liebt man(n) zwei Männer ihre Liebe – zunächst zu Gott und dann irgendwann auch zueinander. Die Bühne ist vollkommen leer, die beiden Männer sind alleine mit ihrem Glauben, ihrer Religion, ihrem Gott und ihrer Liebe zueinander, von der sie das Gefühl haben, sie dürfe vielleicht nicht sein. Doch nie wird es ausgesprochen, das Verbot. Es ist nur so ein Gefühl. Ja, vielleicht sind sie ganz alleine auf der Welt. Nur ein Musiker ist bei ihnen, der ihre Geschichte kommentiert, sie teils mit klagenden, teils mit freudigen und dann wieder melancholischen Klängen vorantreibt.

Eine leise Geschichte über eine Liebe, die nicht sein darf und doch alles ist.

Das sagt die Jury:
„Ein bewegendes Theaterstück über Homosexualität in der orientalischen Mystik seit dem Mittelalter.“

Dauer: 75 Minuten, anschließend Party mit DJ im Foyer des JES
Karten: 10 / 7 €

Unter der Leitung der kolumbianischen Choreographin Bibiana Jiménez drücken 12 Frauen aus verschiedenen Ländern in getanzten Bildern ihren Umgang mit der Gestaltung einer Friedenskultur aus. Durch Zusammenhalt und Solidarität können sie ihr vom Krieg zerstörtes Leben und ihren Lebensraum wiederaufbauen. Sie finden den Mut, wieder aufzustehen, zu verzeihen und für ihre Träume zu kämpfen. Sie tun den ersten Schritt in ein neues Leben und laden ein, sich aktiv für Dialog, Toleranz, Akzeptanz und gleiche Rechte für alle einzusetzen. Für die Tänzerinnen ist dies in einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft zunehmend spaltet, der einzig mögliche Weg für ein friedliches Zusammenleben. Denn Frieden bedeutet, gewaltfrei und gleichberechtigt zu leben.

Das sagt die Jury:
„Unter der Leitung der kolumbianischen Choreographin Bibiana Jiménez zeigen 12 Frauen aus verschiedenen Ländern durch wunderbar getanzte Bilder ihre Fähigkeiten bei der Gestaltung einer Friedenskultur.“
„Das interessanteste Stück zum Thema Frauen in Zeiten von Krieg und Frieden.“

Dauer: 60 Minuten
Karten: 10 / 7 €

„Dein Haus ist geschützt, in sich abgeschlossen. Du lebst in Frieden, warm, gut genährt, Herr, alleiniger Herr über eine Vielzahl von Gängen und Plätzen. Und alles dieses willst du hoffentlich nicht opfern, aber doch gewissermaßen preisgeben…“
Ausbesserungsarbeiten und genüssliches Flanieren durch die Vertrautheit seiner Gänge und Plätze bestimmen sein Dasein. In der Ruhe seines Baus kann er aufatmen, kann in wohligen Schlaf sinken über seinen angesammelten Vorräten. Er ist stolzer Herrscher des selbsterschaffenen Reichs, Erbsenzähler und Medium flirrender Angst aller Schattierungen. So sehr er sie ignorieren will – es gibt sie doch, die Welt dort draußen. Sie werden kommen. Sie wollen ihn, sie wollen teilhaben an seinem Wohlstand, ihn vernichten… Doch wer ist „er“ und wer sind „sie“?

Ein Theaterthriller über Isolation, Angst und Einsamkeit.

Das sagt die Jury:
„Strange Shit! Ein Stück, das sich am subtilsten und auf der abstraktesten Ebene mit Themen wie Integration, Interkulturalität und Intertextualität beschäftigt.“
„Abgefahrenes Puppenspiel, das auf jeden Fall zum Reflektieren einlädt.“

Dauer: 85 Minuten
Karten: 10 / 7 €

Die Psychologie nennt es „Bestätigungsfehler“: die Neigung, jede Information so zu interpretieren, dass sie in unser Weltbild passt. Aber was passiert, wenn man ernsthaft versucht, die Realität mit den Augen des anderen zu sehen? Wir wagen das Experiment: Ein junger, politisch engagierter Linksliberaler setzt sich mit einem überzeugten Rechten an einen Tisch. Kann das gutgehen?

Der Brite Chris Thorpe ist Autor, Performer, Musiker und Übersetzer. Sein Einpersonenstück Bestätigung betreibt angesichts der zunehmenden Polarisierung unserer Gesellschaft, von „fake news“ und „alternativen Fakten“ praktische Aufklärung über die Entstehung von Vorurteilen und Weltbildern.

Das sagt die Jury:
„Das interaktivste Einpersonenstück über Rassismus, Fake News und Holocaust: auf jeden Fall interessant!“
„Sehr gutes Experiment, um aufzuzeigen, wie gleich das Denken bei Menschen sein kann.“

Dauer: 70 Minuten, anschließend Gespräche und Getränke im Theater Atelier
Karten: 10 / 7 €

In Interviews erzählen sie vom Tragischen, aber auch vom Schönen und Hoffnungsvollen: von Verfolgung, Krieg und Fluchtursachen, aber auch von Träumen und Kindheitserinnerungen, vom stetigen Kampf um Freiheit und Würde.

Trotz aller Unterschiede zeigen sich Umrisse einer Grunderfahrung des Lebens im Exil. Wie fühlt es sich an, neu in eine Gesellschaft zu kommen? Wohin mit der Vergangenheit, mit den Erinnerungen? Was heißt es, „Flüchtling“ in Deutschland zu sein?

Aus insgesamt rund hundert geführten Interviews schuf Regisseur Ma’an Mouslli einen bewegenden Film, der intensive Einblicke in das Leben geflüchteter Menschen gewährt.

Dauer: 63 Minuten, anschließend  Gespräch mit Ma’an Mouslli und Mittagessen (5 €) im Theater La Lune
Karten: 10 / 7 €

Gerade hat Nunu ihn noch mit Apfelstücken gefüttert, da ist der Vogel auch schon wieder fort. Und eben weil er oft nicht hier, sondern anderswo unterwegs ist, wird er auch „Anderswo“ genannt. Eines Tages aber sind es Nunu und seine Familie, die ihr Haus verlassen, denn in der Stadt herrscht Krieg. Auch Anderswo muss fliehen. Eine lange Reise ins Unbekannte beginnt und Anderswo fragt sich, ob er seinen Freund Nunu jemals wiederfinden wird.

Der Vogel Anderswo wird erzählt und gespielt von dem seit 2015 in Leipzig lebenden syrischen Schau- und Puppenspieler Soubhi Shami. Das Stück wurde mit dem 2. Platz des Marburger Kinder- und Jugendtheaterpreises 2019 ausgezeichnet.

Das sagt die Jury:
„Sehr schönes und rührendes Theaterstück über Flucht, basierend auf einem syrischen Märchen für Kinder ab 4 Jahren und Erwachsene.“

Dauer: 45 Minuten
Karten: 10 / 7 €

Inspiriert von Popsongs untersuchen drei Tänzer*innen aus Kanada, Deutschland und Burkina Faso, wie sich Worte und Bewegung gegenseitig beeinflussen. Mit ihrem Körper, aber auch auf Deutsch, Englisch und Französisch vergleichen sie Möglichkeiten ihres Ausdrucks.
Die Tänzer*innen entscheiden immer wieder neu, ob der Körper oder die Sprache besser auf den Punkt bringen kann, was sie sagen wollen. Sie erforschen die Grenze von Worten und Bewegung und finden den Moment, in dem die Sprache nicht mehr ausreicht und der Körper einfach tanzen muss.
Christoph Winklers zweite Arbeit für ein junges Publikum greift Themen auf, die ihm wichtig sind: das Verhältnis von Sprache und Tanz, wie aus Alltagsbewegungen Tanz wird und die Rolle der Diversität in unserer Gesellschaft.

Das sagt die Jury:
„Ein mitreißendes Tanzstück für alle Altersklassen, eine sehr interessante Verbindung von Sprache und Tanz, eine tolle Übersetzung fremder Sprache in Bewegung.“
„Die schönsten popkulturellen Referenzen, eingebettet in den Tanz.“

Dauer: 55 Minuten
Karten: 10 / 7 €

Mit Ellbogen hat Fatma Aydemir einen kolossalen Roman vorgelegt, der das heutige Erwachsenwerden eines postmigrantischen Mädchens untersucht. Sie spielt mit Klischees und Archetypen, um mit ihnen im nächsten Schritt zu brechen. Sie stellt uns ein Mädchen vor, dem menschlich kaum begegnet wurde. Das auf eine Rolle hin erzogen wurde, die nicht die seine ist. Das Wut und Hass in sich sammelt, um dann zu explodieren. Das kein Opfer sein will und deswegen zur Täterin wird. Wie geht man um mit einem Menschen, der den anderen die Menschlichkeit abspricht? Der in reuelosem Zorn wütet?

Das sagt die Jury:
„Beeindruckende schauspielerische Leistung im Stück über Migrationsschwierigkeiten der jüngsten Generation türkischer Einwanderer.“

Dauer: 90 Minuten
Karten: 10 / 7 €